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06.06.2015

Rückblick Pfingstwanderung 2015

Pfi ngstWa nderung 2015 durch den Schönbuch – ein Rückblick

Über das verlängerte Pfingstwochenende führte der CVJM Großbottwar seine seit vielen Jahrzehnten traditionelle 3-Tageswanderung durch. Diesmal führte die 83 km lange Pfiwa-Strecke vom Oberen Gäu bei Rottenburg am Neckar über Tübingen, durch den Schönbuch nach Stuttgart.
Im Rommelstal

Eine junge, bunte, 26 Personen starke Wanderschar, mit Rucksäcken schwer bepackt, startete vom Bahnhof Ergenzingen im oberen Gäu und folgte dem Seltenbach ins Rommelstal. Hier wurde nach einigen Kilometern die erste Vesperpause eingelegt, die Ukuleles ausgepackt und fröhliche Lieder geschmettert. Birgit hielt eine Andacht über das Pfingstwunder und verdeutlichte die Ausgießung des Heiligen Geistes ganz praktisch, indem sie an die Wanderer „Flammende Herzen“ verteilte, die dann sogleich zur Stärkung verspeist wurden.
Hier im Rommelstal begann die 7 km lange römische Wasserleitung, die vor etwa 1800 Jahren entlang der linken Talhänge von Seltenbach und Neckar nach Rottenburg, dem antiken Sumelocenna führte. Ein kurzer Abschnitt dieser längsten gemauerten römischen Wasserleitung rechts des Rheins konnte die Gruppe an einer mit Schutzdach versehenen freigelegten Stelle bewundern.
Der Wanderweg führte entlang des Neckars weiter nach Rottenburg, wo auf dem mittelalterlichen Marktplatz für eine kurze Trinkpause die Rucksäcke abgesetzt wurden. Eine Wandergruppe, bestehend aus 8 Frauen und 18 Männern zwischen 15 und 51 Jahren zu treffen. ist heutzutage nichts Alltägliches. So kam häufig oft vor, dass das bunte Völkchen mit aufgerissenen Augen und offenem Mund begafft wurde, als es in einen Ort einfiel. Der Rucksack, ca. 10-15 kg schwer, bepackt mit Schlafsack und Isomatte, sowie Vesper für 3 Tage war schon bald unangenehm auf den Schultern zu spüren, so dass sich jeder auf die ausgiebige Mittagsrast auf der bekannten und viel besungenen Wurmlinger Kapelle sehnte.
Auf dem Weg zur Wurmlinger Kapelle

So ein Vagabundenleben vermittelt schon ein Gefühl von Freiheit, da man alles, was man braucht, bei sich hat und das Leben zumindest für drei Tage auf die wahren Grundbedürfnisse reduziert ist. Das rückt die wahren Dimensionen wieder zurecht, denn bei einer CVJM Pfingstwanderung zählen Werte wie Zusammenhalt, Gemeinschaft, Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, miteinander reden und zuzuhören. Auf der Wurmlinger Kapelle wurden die Isomatten ausgerollt, die ersten Essenvorräte aus dem Rucksack geplündert und ein Mittagsschläfchen gehalten. Manche hatten noch mit ihren Blasen zu kämpfen, wie z.B. Christof, der an beiden Füßen nicht weniger als 13 Blasen zu versorgen hatte.
Mittagspause an der Wurmlinger Kapelle

Über den Spitzberg ging es weiter nach Tübingen, wo wir um 18 Uhr mit mächtigem Glockengeläute begrüßt wurden, als wir nach knapp 30 km Fußmarsch im Tübinger Schloss einliefen. Die Unterkunft war im CVJM Heim, wo uns der FSJler Rudi Hechler herzlich begrüßte. Da es bei den Unterkünften auf den Pfingstwanderungen in der Regel keine Duschen gibt, gingen einige hartgesottene noch im Neckar baden.


Am zweiten Tag führte die Strecke zuerst nach Bebenhausen. Das bekannte ehemalige Kloster liegt idyllisch auf einer Lichtung im Schönbuch. Teile des mittelalterlichen Klosters wurden im 19. Jahrhundert zum Schloss umgebaut, in dem später das letzte württembergische Königspaar seinen Lebensabend verbrachte.
Weiter entlang dem großen Goldersbachtal zum Soldatengrab, wo Mittagsrast gehalten wurde. Bei der heutigen Andacht ging es um das Gehen, das anhand einer bekannten Geschichte aus der Bibel verdeutlicht wurde. Die zutiefst traurigen Jünger wanderten nach Jesu Tod von Jerusalem nach Emmaus. Eine fremde Person gesellte sich zu ihnen und sie führten tiefgreifende Gespräche. Als sich der Fremde als Jesus sich zu erkennen gab und verschwindet, eilten sie wie verwandelt wieder zurück nach Jerusalem. Dies zeigt, wie gut sich das Gehen eignet um Gespräche zu führen, wie einen verändern.
Warum sagt man heute noch, wenn man sich nach dem Wohlbefinden seines Gesprächspartners erkundigt: “Wie geht es“? Nichts tut uns so gut wie das Gehen! „Es würde manches besser gehen, wenn wir mehr gehen würden“ sagte vor etwa 200 Jahren der Schriftsteller Joh. Gottfried Seume. Nichts geht also über das Gehen! Das Schöne am Gehen ist die uneingeschränkte Kommunikation mit der Landschaft und der Natur. Wenn wir mit dem Auto, der Eisenbahn oder dem Flugzeug reisen sind wir regelrecht eingesperrt und von der Natur ausgesperrt. Auch das Wort „bewandert“ drückt aus, dass jemand Einsichten durch das Wandern gewonnen hat. Gehen ist die natürlichste und die von Gott für uns Menschen bestimmte aufrechte Fortbewegungsweise. Nicht umsonst heißt es: „Die Seele geht zu Fuß“. Beim Gehen hat man noch Zeit zum Reden, Zuhören und Schweigen. Aber auch zum Verarbeiten seiner Gedanken. So kann es zu Einsichten und Veränderungen kommen wie es bei den Emmausjüngern geschehen ist.
Im Neckartal

Wandern heißt aber auch aufbrechen und losgehen. So wurden die Rucksäcke geschultert und die müden Beine wieder in Gang gebracht. Es dauert immer einige Minuten, bis sich die müden Füße wieder ans Gehen gewöhnt haben. So konnte dann auch der 581 m hohe Bromberg, die höchste Erhebung des gesamten Schönbuchs erreicht werden. Von nun an ging es nur noch bergab nach Holzgerlingen. Endlich, nach heutigem 27 km langem Fußmarsch war die Gruppe zu Gast im CVM Haus „Seebrücke“. Heidi Schweizer, geb. Feil, eine ehemalige Großbottwarerin vermittelte die Unterkunft und versorgte die Truppe am nächsten Morgen mit leckerem selbstgebackenem Hefering und frischer Kuhmilch direkt vom Bauern.


Am dritten Tage wurde die Wanderstrecke ein wenig reduziert, indem der Abschnitt zwischen Holzgerlingen und Böblingen mit dem Zug zurückgelegt wurde. Trotzdem kamen die Wanderfreunde auf ihre Kosten, zumal ab der Mittagszeit immer wieder Regenschauer nieder gingen. Der Streckenverlauf führte durch die ausgedehnten Waldgebiete östlich von Böblingen und Sindelfingen, dann durch die Wälder auf Stuttgarter Stadtgebiet. Schließlich wurde noch der Birkenkopf erklommen, von wo sich ein atemberaubender Ausblick vom Stuttgarter Talkessel über das Neckarbecken bis in die Heimat bot. Irgendwie war es für viele ein beklemmendes Gefühl, den aus dem Kriegsschutt der zerstörten Stadt Stuttgart aufgeworfenen Berg hochzusteigen um dann auf dem Gipfel die Trümmerteile und das aufgestellte Kreuz zu erblicken. Der Satz auf der Gedenktafel: „Den Opfern zum Gedächtnis - den Lebenden zur Mahnung“ verfehlte genau 70 Jahre nach Kriegsende seine Wirkung nicht!
Gruppenbild auf dem Birkenkopf

Johanna hielt auf dem Birkenkopf noch ihre Andacht, dann fing es an wie aus Kübeln zu gießen. Bei strömenden Regen ging es die der Hasenbergsteige hinab, die einige wegen muskulären- und Knieproblemen nur noch rückwärtsgehend bewerkstelligen konnten. Nach 26 km erreichten die Gruppe dann bis auf die Haut durchnässt die S-Bahnhaltestelle Schwabstraße. Auf der Heimfahrt mit Bahn und Bus erhellte sich die Stimmung zusehends. Fragte man die sieben Teilnehmer, die sich zum ersten Mal der Herausforderung PfiWa stellten, ob sie im nächsten Jahr den Rucksack erneut packen würden, ertönte ein einhelliges "Ja". Denn nur wer auf Fahrt geht und wandert wird erfahren und bewandert!

[Markus Pantle]

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